Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Das Hamburger Wohnungswesen in den 1920ern

Fritz Schumacher, 1932

 

„Mit dem soziologisch betrachtet gleichen Material sind nach dem Kriege Stadtteile entstanden, die zum wenigsten das Streben nach einer gewissen Haltung zeigen. Die gleichen Wohnhäuser und die gleichen öffentlichen Gebäude, an denen man früher achtlos oder mit Unwillen vorbeiging, beginnen die Aufmerksamkeit zu fesseln. Ein neues Streben, der Aufgabe „Großstadt“, vor der wir schon verzweifeln wollten, Herr zu werden, macht sich bemerkbar.

Darüber hinaus aber sehen wir etwas. was nicht nur formale Bedeutung hat. In diesen Stadtteilen, die ja nichts anderes sind, als neue Kleinwohnungs-Städte, kündigt sich das Ringen an mit der großen Aufgabe unserer Zeit: eine breite neue Menschenschicht organisch einzugliedern in das Gefüge unserer Kultur. Diese Aufgabe besteht nicht nur in einem möglichst harmonischen Zusammenfügen von Häusern, sie verlangt, eine Form zu finden, für die ganze Lebensführung großer Menschenmassen, die auf individuellem Wege eine solche Form nicht zu schaffen vermögen. Deshalb handelt es sich nicht nur um die in Häusern zusammengeschlossenen Wohnungen, sondern vielmehr um den Zusammenhang dieser Bauten mit ihren gemeinsam benutzten Höfen, mit Kinderspielplätzen und Grünzügen, mit Sportplätzen, Wiesen und Wasserläufen. In dieser städtebaulichen Auffassung der Aufgabe liegt ihre eigentliche Bedeutung. Es ist der Versuch, für die große Umschichtung unserer Zeit einen daseinswürdigen Ausdruck zu finden.“

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Fritz Schumacher: Das Werden einer Großstadt. Hamburg 1932, S. 8

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