Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Zur Definition der Mietskaserne

Rudolf Eberstadt, 1910

 

Die Mietskaserne „bezeichnet (...) die in Berlin entwickelte Bauweise, die infolge der mit ihr verbundenen außerordentlichen Spekulationsgewinne sich einen großen Teil Deutschlands erobert hat. Der treffende Ausdruck für diese Hausform ist in Berlin geprägt; das Sprachgefühl hat auch hier die kennzeichnende Eigenschaft richtig herausgefunden. Der Begriff 'Kaserne' enthält die Aufhebung des Einzelwesens und des Einzelwillens, und die Unterwerfung unter einen übergeordneten Zweck. Für das Wohngebäude, das jede Individualität der Bewohner verwischt und das Wohnungswesen durchaus den Zwecken der Spekulation unterwirft, konnte deshalb in der Tat keine treffendere Bezeichnung gefunden werden als die der Mietskaserne. Der Ausdruck bezeichnet den Haustypus, der in Hofwohnungen, Seitenflügeln, Quergebäuden eine unterschiedslose Masse von Wohnräumen umschließt. Durch die Größe des Grundstücks, dessen Abmessungen die Wohnhausform vollständig abgestreift haben, und zugleich durch den Hausgrundriss, in dem die Einzelwohnung völlig verschwindet, ist die Mietskaserne gekennzeichnet. Es ist durchaus unzulässig, den genau umschriebenen Ausdruck auf eine andere Bauform als die vorerwähnte, anzuwenden. Äußerlich kennzeichnet sich das Mietskasernensystem in dem Berliner Bebauungsplan durch gewaltige schematische Straßenbreiten und durch tiefe, mit Hofwohnungen besetzte Baublöcke"

___________________________________________________________________

Rudolf Eberstadt: Die Spekulation im neuzeitlichen Städtebau, Jena 1910, S. 183

Architektensuche

Finden Sie für Ihr Bauvorhaben
das passende Architekturbüro.
Zur Suche