Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Über Schlafburschen und Untermieter

O. Rühle, 1930

 

„1880 gab es in Berlin 59 087 Schlafgänger, die sich auf 32298 Haushaltungen verteilten (15 %). Eine Haushaltung hatte 34, eine 11, eine 10 Schlafgänger. 1663 Haushaltungen je einen. 15 065 Familien besaßen nur einen heizbaren Raum, gleichwohl hatten 6953 von ihnen noch einen Schlafburschen, 4132 je ein Schlafmädchen, 1790 je zwei männliche, 607 je einen männlichen und einen weiblichen, 721 je zwei weibliche, 357 je drei männliche Schlafgänger. In einem Falle kampierten bei einem mit Kindern reich gesegneten Ehepaar in einem Raum sieben Schlafburschen und ein Schlafmädchen. In einem anderen Falle hatte eine Frau in ihrem Wohnraum zehn Schlafburschen. 1885 war die Zahl der Schlafgänger in Berlin 84 687, 1890 auf 95 365 angewachsen. 56.2 % der Haushaltungen hatten eine, 29,5 % zwei, 10,5 % drei, 2,7 % vier und 1,1 % fünf und mehr Schlafstellen. Zwei Drittel der Schlafleute wohnten bei einem Ehepaar, drei Viertel in Haushaltungen mit Kindern, 39 % in Wohnungen mit nur einem, 51 % mit zwei, 10 % mit mehr Zimmern. 1895 kamen auf 1000 männliche Personen 77,2, auf ebensoviel weibliche 26 Schlafgänger. In München beherbergten 1907 29 000 Wohnungen Aftermieter, obwohl bei einem Drittel dieser Wohnungen Bettenmangel herrschte. In Fürth betrug die Zahl der Schlafburschen 64,2% der Untermieter (3,63% der Bevölkerung). Sie hausten vielfach in Wohnungen, die wegen ihrer beschränkten Räume nicht einmal für einfache Familien groß genug waren“.

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O. Rühle: Illustrierte Kultur- und Sittengeschichte des Proletariats, Berlin 1930; zitiert nach: J. Kuczynski: Geschichte des Alltags des deutschen Volkes, Bd. 4. Bonn 1993/4, S. 216

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