Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Bürgerliche Wohnzustände

Goerd Peschken, 1979

 

"Vorn beim Eingang liegt zum Hofe hin ein Wohnzimmer zum Aufenthalt der Frau, wo es unordentlich sein darf. Die beiden Zimmer zur Straße sind Empfangszimmer, wo allenfalls der Hausherr seinen Schreibtisch hat. Das Berliner Zimmer ist das Speisezimmer, dann folgt der Flur mit Schlafzimmern, Küche und Dienstbotentreppe, dann einige Zimmer für zwangloses Wohnen der Familie, die man auch als eigene Wohnung für eine Verwandte oder Fremde abteilen kann.

Man muss sich einmal klarmachen, dass die Empfangszimmer von den Erwachsenen wenig, von den Kindern praktisch gar nicht benutzt wurden. Die Frau durfte in den Empfangszimmern höchstens eine Spielerei wie einen Stickrahmen haben; jede Art Hausarbeit war dort verpönt. Die Kinder kamen dorthin zu Weihnachten und sonst, wenn sie einem Besuch vorgeführt wurden: gewaschen, gekämmt und im Sonntagsanzug. Die Familie wohnte für gewöhnlich zum Hofe hin genau wie ihre Dienstboten. In der Bauform des Hofes lag nichts Negatives weiter, als dass dort eben gewirtschaftet wurde, dass Fuhrwerke auf- und abgeladen, dass Teppiche geklopft wurden.“

___________________________________________________________________

Goerd Peschken: Das Berliner Mietshaus und die Sanierung. In: Burkhard Bergius u.a. (Hrsg.): Architektur, Stadt und Politik. Anabas V. Gießen 1979, S. 212 f

Architektensuche

Finden Sie für Ihr Bauvorhaben
das passende Architekturbüro.
Zur Suche