Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Probleme Lübecks im Umgang mit der historischen mittelalterlichen Stadt

„Bemühungen um die Erhaltung und Bewahrung des historischen Stadtbildes und der Denkmalschutz haben in Lübeck eine lange Tradition. So verordnete der Rat der Stadt bereits im Jahre 1816, dass jeder Bürger den beabsichtigten Verkauf eines Hauses oder eines Kunstwerkes anzeigen müsse. (...)

Seit dem Jahre 1921 besaß die damals noch selbständige Hansestadt Lübeck eines der frühen deutschen Denkmalschutzgesetze. Aber bereits 100 Jahre vorher durften in der Altstadt Häuser erst dann abgerissen werden, wenn ein Zeichner der Baubehörde das Aussehen der Fassade in allen Einzelheiten für das Archiv festgehalten hatte.

Etwa ein Fünftel der historischen Altstadt wurde im letzten Krieg bei dem einzigen schweren Luftangriff auf Lübeck im Jahre 1942 zerstört. Fast 8.500 Bomben vernichteten über 1.000 Häuser und fünf der berühmten sieben Türme. Die kriegsbedingten Zerstörungen waren nicht das einzige Problem der Stadterhaltung in Lübeck. Besonders während des Krieges und in den Nachkriegsjahren hatten sich in der Altstadt bautypische Schäden aufgrund mangelnder Unterhaltungsmaßnahmen angehäuft. So waren zum Beispiel die innen liegenden Dachrinnen der überwiegend giebelständigen Häuser Ursache vieler Schäden durch Feuchtigkeit. Dazu kamen sanitärtechnische Mängel: Rund 30 Prozent der Haushalte in der Innenstadt verfügten nicht über eigene Toiletten, 60 Prozent hatten kein eigenes Bad. Darüber hinaus konnten die einzelnen Quartiere wegen starker Überbauung der Freiflächen, wegen funktionsunfähiger Gebäude und fehlender Infrastruktur ihren Zweck, Lebensraum für gesundes Wohnen und Arbeiten zu sein, nicht mehr erfüllen.

Angesichts dieses Zustandes wurde eine umfassende Sanierung der Lübecker Altstadt notwendig. Man begann Ende der 60er Jahre mit einer gründlichen Bestandsaufnahme. Die anschließende öffentliche Diskussion über die Ziele der Sanierung dauerte mehrere Jahre und hatte folgendes Ergebnis:

1 Die Innenstadt soll als Kulturdenkmal erhalten bleiben.

2 Die City soll als wirtschaftliches Zentrum der Region bestehen bleiben, über die bestehenden Bereiche hinaus allerdings nicht ausgedehnt werden.

3 Im Bereich der Altstadt soll Wohnraum erhalten und ausgebaut werden.

Die Entscheidung über diese Grundsätze der Sanierung fiel Mitte der 70er Jahre. (...)

Anfang der 80er Jahre wurde die von der Bürgerschaft beschlossene Zielsetzung der Sanierung der historischen Altstadt konkretisiert und ein städtebaulicher Rahmenplan für die gesamte Altstadt erstellt, der im Jahre 1984 in der Bürgerschaft beschlossen wurde und der jährlich fortgeschrieben wird. Der Rahmenplan enthält Aussagen zu folgenden Themenbereichen:

  • Denkmalschutz
  • Ensembleschutz
  • Nutzungsstruktur
  • Infrastruktur
  • städtebauliche Missstände
  • Verkehr
  • Ordnungsmaßnahmen / Neubaumaßnahmen
  • Grün - und Freiflächen

Darüber hinaus trifft der Rahmenplan Aussagen über die Prioritäten, nach denen weitere Sanierungsgebiete festgelegt werden sollen.

(...)

Inzwischen sind die Erfolge der Sanierung und des Denkmalschutzes überall in der Stadt zu sehen. Einzelne Projekte, die Förderer der Sanierung und des Denkmalschutzes sowie die Hansestadt Lübeck selbst, wurden mehrfach ausgezeichnet. So wurde der Denkmalschutzpreis des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz wiederholt an Lübeck vergeben. 1984 erhielt Lübeck die europäische Goldmedaille für Denkmalpflege der Stiftung F.V.S. gemeinsam mit der Stadt St. Petersburg. Im Dezember 1987 nahm die UNESCO die Lübecker Altstadt in die Liste des Weltkulturerbes auf.

Ein wichtiger Schritt auf dem Wege der Bewahrung des Stadtbildes war der Erlass einer Gestaltungssatzung für die Lübecker Innenstadt, die im Februar 1982 in Kraft trat. Sie gibt der Bauverwaltung wirksame Mittel an die Hand, Bausünden im historischen Stadtkern der alten Hansestadt zu unterbinden. So sind zum Beispiel für sichtbare Dächer ziegelrote bis rotbraune Dachpfannen vorgeschrieben; Werbeanlagen müssen mit den Gestaltungselementen der Fassaden abgestimmt sein; grelles und wechselndes Licht ist unzulässig. Für die Fassaden werden nur helle, lichte Farbtöne zugelassen. Die Fassaden müssen in den historischen Lübecker Baubreiten gegliedert sein.

Seit dem Erlass des Städtebauförderungsgesetzes 1972 flossen über 300 Millionen Mark in Sanierungsmaßnahmen in der Lübecker Innenstadt. In den letzten zehn Jahren wurden jährlich etwa 12 bis 15 Millionen Mark öffentliche Gelder der Sanierung zugeführt. Seit 1990 wurde die staatliche Förderung stark reduziert.

Die Bundesregierung und das Land Schleswig - Holstein haben anerkannt, dass Lübeck ohne tatkräftige Hilfen mit den Aufgaben der Sanierung und des Denkmalschutzes finanziell überfordert ist. So gewähren Bund und Land der Stadt hohe Zuschüsse. In den letzten Jahren war Lübeck die Stadt mit dem höchsten Anteil am Sanierungsprogramm des Bundesbauministeriums.

Architektensuche

Finden Sie für Ihr Bauvorhaben
das passende Architekturbüro.
Zur Suche