Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Die zerstörte Altstadt Hannovers nach 1942

Hans Pieper, 1942

 

„Heute zunächst einige Zahlen: 300 Tote, 200 Schwer-, 600 Leichtverletzte - einige Blinde, 15 Vermisste, 16000 Obdachlose, die inzwischen in Bürgerhäusern einquartiert oder auf das Land verschickt sind, 2000 total zerstörte Häuser, 6000 schwer beschädigte, unzählige leichte Dach- und Glasschäden. Alle Vorsorgen für einen Fliegerangriff waren getroffen, aber vergeblich, da alles verbrannte: die Listen für die Notquartiere, die Pläne mit den Luftschutzkellern und Mauerdurchbrüchen (sowohl die Baupolizei mir all ihren Akten als auch die Luftschutzzentrale brannten ab), 300 Vorratssärge verbrannten, ebenso LebensmitteIlager usw. Wir hatten unsere Kunstwerke in den Kirchen stehen lassen, da man ja Orgeln, Lettner, Uhren, Kanzeln, Gestühl, Grabplatten, Altäre und Epitaphien nicht ausbauen kann, teilweise waren sie mit Balkendächer(n) und Ummantelungen versehen, die Glasfenster waren ausgebaut und sorgfältig verpackt in ein Turmgewölbe gelagert worden - aber das war ja alles lächerlich gegen die Wirkung der 6000 Brandbomben, Kautschuk-Phosphor-Kanister, Sprengbomben und besonders der Minen, - aber schlimmer als sie war das Feuer, das durch den Oststurm angefacht die Ursache für den Umfang der Zerstörungen war. Nach 10 Minuten schon war das Hauptwasserrohr getroffen, ebenso die Gasleitung und die Stromkabel, es gab kein Wasser mehr und kein Licht. Die eigene und die Nachbarfeuerwehren konnten nicht löschen, nachdem die Reservewassertanks ausgesaugt waren. Die Kanalisation wurde 12 Mal getroffen.

Operiert wurde mit Notlicht.

(...) Straßen- und quartierweise liegt Haus neben Haus in Trümmern, man kennt sich an manchen Stellen nicht mehr aus, da einfach alles fehlt. Es wird täglich noch gesprengt, um gefährliche Mauerteile niederzulegen, und zwar recht gründlich. Leider haben die Bomben und das Feuer manche Bausünde stehen lassen z.B. die neugotische Post, das Gerichtsgebäude und andere Herrlichkeiten, zu denen ich aus jüngster Zeit auch die a la Nürnberg verkitschten Luftschutzbunker (...) rechne (...).“

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Hans Pieper, zitiert nach: Werner Durth, Niels Gutschow: Träume in Trümmern, Bd. 2. Vieweg Braunschweig/ Wiesbaden 1988, S. 849

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