Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Der Freiheitsbrief Kaiser Friedrichs II von 1226

„Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit. Friedrich II., von Gottes Gnaden römischer Kaiser, Mehrer des Reiches, König von Jerusalem und Sizilien.

Wir wollen (...) allen Getreuen des Reiches zu wissen tun, gegenwärtigen und künftigen, dass wir uns die reine Treue und aufrichtige Ergebenheit vor Augen gehalten haben, welche wie bekannt alle Bürger von Lübeck, unsere Getreuen, gegen unsere Hoheit hegen, dass wir die rühmlich bekannten und willkommenen Dienste wohlbedacht haben, die sie uns und dem Reiche allzeit geleistet haben und die sie künftig noch zu verbessern bedacht sein werden. Indem wir sie als Wohlverdiente mit freigebiger Gnade bedenken wollen, verleihen wir ihnen und bestimmen, dass die vorgenannte Stadt Lübeck für alle Zeiten frei sein soll, nämlich eine unmittelbare Stadt und Ortschaft des Reiches, die unmittelbar zum Reiche gehören und niemaIs von dieser unmittelbaren Herrschaft getrennt werden soll; wir bestimmen ferner, dass wenn zur Regierung der Stadt vom Reiche ein Rector bestimmt wird, zu diesem Amte niemand bestellt werde, er stamme denn aus benachbarten Orten und Gebieten der Stadt (...)

Wir verleihen ihnen weiter, dass sie in der Stadt selbst eine Münze unter unserem Bild und Namen schlagen dürfen, welche Zeit unseres Lebens und dem des römischen Königs Heinrichs (VII.), unseres erlauchten und geliebtesten Sohnes, gelten soll; dafür werden sie jährlich 60 Mark Silbers an unseren Hof abführen. (...) Ferner sollen alle getreuen Kaufleute, die nach der Stadt zu Wasser oder zu Lande um ihrer Geschäfte willen kommen, jederzeit sicher kommen und sicher gehen, wenn sie ihre Gebühr erlegen, zu der sie verpflichtet sind. (...) Wir verleihen ihnen weiter, die Insel, die der Burg Travemünde gegenüberliegt und Priwolc heißt, nach Stadtrecht, Wicbelede genannt, zu besitzen. (...) Wir verleihen ihnen weiter den Grund und Boden außerhalb Travemündes, neben dem Hafen, wo das Hafenzeichen gehalten wird, und geben ihnen Macht, den Grund und Boden frei und unbehindert zum Nutzen und zum Vorteile der Stadt Lübeck zu gebrauchen. Aus der Überfülle unserer Gnade verleihen und bestätigen wir ihnen für alle Zeiten die Rechte, allen guten Nutzen und alle guten Gewohnheiten, deren sie sich seit der Zeit Kaiser Friedrichs, unseres Großvaters, glücklichen Angedenkens, bis jetzt, wie bekannt, bedienet haben, bestimmen und fügen kraft dieser Urkunde mit Nachdruck hinzu, dass durchaus keine Person, sie sei vornehm oder gering, geistlich oder weltlich, die genannten Bürger von Lübeck, unsere Getreuen, in allem Vorgeschriebenen zu hindern oder zu stören mit frevelem Mute sich unterstehe. Wer das doch unternimmt, wisse, dass er für seinen Frevelmut sich unsere Ungnade und eine Strafe von 500 Pfund reinen Goldes zuziehen wird, wovon die Hälfte unserer Kammer, die andere Hälfte denjenigen zu zahlen ist, die das Unrecht erlitten haben.

Damit das alles aber allzeit ungestört in Kraft bleibe, haben wir befohlen, gegenwärtige Urkunde auszufertigen und mit einer Goldbulle, die das Bild unserer Majestät trägt, zu bekräftigen.

(...)

Das ist geschehen im Jahre der göttlichen Menschwerdung 1226, im Monat Juni, XIV. Indiktion, unter der Regierung unseres Herren Friedrichs II., von Gottes Gnaden unüberwindlichsten römischen Kaisers, Mehrers des Reichs, Königs von Jerusalem und Sizilien, im 6. Jahre seines römischen Kaiserreiches, im ersten seines jerusalemitanischen und im 29. seines sizilischen Königreiches. Amen.

Gegeben zu Borgo San Donnino [heute Fidenza bei Parma] im Jahre, Monat und Indiktion wie vorgeschrieben.

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Der Freiheitsbrief Kaiser Friedrichs II. von 1226, zitiert nach: Wilfried Hartmann (Hrsg.): Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Bd. 1. Stuttgart 1995, S. 399 ff

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