Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Stadtplanung im 20. Jahrhundert in Ost und West

Prof. Werner Durth, 1997

 

„Am Übergang in das dritte Jahrtausend zeichnet sich in Architektur und Städteplanung eine radikale Umwertung jener Werte ab, die über ein Jahrhundert lang den Reformbewegungen und Entwurfskonzepten moderner Stadtplanung Antrieb gaben. In der Sehnsucht nach dem retrospektiv verklärten Bild der großen Städte des neunzehnten Jahrhunderts mit ihren dichten Baustrukturen und vielfältiger Mischung unterschiedlicher Nutzungen erscheint die untergegangene Schönheit der Städte als ein unwiederbringlich verlorenes Gut, von dem allenfalls durch Rekonstruktion zerstörter Bauten und verwischter Stadtgrundrisse noch ein ferner Abglanz zu gewinnen sei. Gegenüber diesem imaginierten Glanz der Vergangenheit wird die gebaute Wirklichkeit der von Funktionstrennungen durchzogenen, in unförmige Peripherien auswuchernden Agglomerationen zum tristen Schreckbild einer gescheiterten Moderne stilisiert - ohne Blick auf die Bedingungen, unter denen vor einem Jahrhundert die Auflösung der großen Städte in überschaubare Siedlungseinheiten zwischen offenen Landschaftsräumen zum Wunschbild der Planer wurde. Will man Wachstum und Umbau, vor allem aber: die Gründung neuer Städte in diesem Jahrhundert im historischen Kontext verstehen und in ihrer gegenwärtigen Gestalt begreifen, muss an diese Voraussetzungen erinnert werden.“

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Werner Durth: Städtebau und Weltanschauung. In: Rosmarie Beier (Hrsg.): aufbau west aufbau ost. Die Planstädte Wolfsburg und Eisenhüttenstadt in der Nachkriegszeit. Gerd Hatje Ostfildern 1997, S. 35

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