Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Ankunft in Stalinstadt 1956

Jochen Czerny, 1999

 

„Es war, am Anfang ohnehin, und es ist in gewisser Weise ja jetzt auch noch eine ruhige Stadt, eine Stadt mit vergleichsweise wenig städtischem Trubel. Wenn man überhaupt von Trubel sprechen darf. Auch das hat mich überrascht: Ich kam aus Berlin, und das hier war mit meinen städtischen Erfahrungen eigentlich unvereinbar. Und das dritte, was befremdlich war, aber was ich nicht als unangenehm empfand, das war diese Verbindung zwischen nun schon intakter, funktionierender Stadt, oder sagen wir einmal: Teilen einer Stadt, Baugebiet (nicht nur Baustellen, da musste man schon von Baugebiet sprechen: bei unterschiedlichen Phasen des Bauens und der Fertigstellung) und noch übrig gebliebener ursprünglicher Landschaft. Das ging ja ineinander über, die Landschaft ragte noch in die Stadt hinein, oder aber: Die Stadt fraß sich sukzessive in die Landschaft, hatte die Landschaft aber noch nicht ganz verschluckt. Um das Friedrich-Wolf-Theater herum standen noch die Kiefern. Das Theater stand eigentlich im Kiefernwald - es war sowieso ein etwas schütterer Wald - und da also dieser Tempel, und dann wiederum links davon (wenn man das von der Hauptstraße aus betrachtet) die Baustellen der Wohnblöcke, die gerade entstanden, und wiederum ein Stück weiter links die rohbaufertigen Häuser und die erste Straße in dem Viertel, die fertig geworden war, wo die Häuser schon bezogen waren. Dazu gehörte auch das Ledigenwohnheim, in dem ich 1956 gleich ein Zimmer bekam. Da habe ich dann von 1956 bis 1958 gewohnt.

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Aus einem Interview mit Jochen Czerny; in: Ruth May: Planstadt Stalinstadt. Dortmunder Vertrieb für Bau- und Planungsliteratur, Dortmund 1999, S. 369

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