Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

W. Kieß über die Baupolizeiordnung von 1853 in Berlin

W. Kieß, 1991

 

„Im Zuge der für Preußen typischen staatlichen Verwaltungspraxis erließ das Berliner Polizeipräsidium kurzerhand die »Bau-Polizei-Ordnung für Berlin und den weiteren Polizei-Bezirk vom 21. April 1853« Ob deren Verfasser sich der Tragweite der neuen Vorschriften überhaupt bewusst waren, muss bezweifelt werden. Jedenfalls erwies sich diese Bauordnung bei dem bald darauf einsetzenden Massenmietshausbau von so verheerender Wirkung, dass hier kurz auf die wichtigsten Bestimmungen eingegangen werden muss.

Für die Festlegung der Baulinie als der bedeutsamsten Bebauungsmarkierung war allein die Behörde zuständig. „Die Fluchtlinie für Gebäude und bauliche Anlagen an Straßen und Plätzen wird von dem Polizeipräsidium bestimmt“ (§ 10). Zur Überbauung der Grundstücke heißt es: „Gebäude dürfen nur auf Grundstücken an öffentlichen Straßen und Plätzen mit einer hinreichenden Zufahrt von mindestens 5,54 Meter Breite errichtet werden« (§ 26). „Auf jedem Grundstück muss bei der Bebauung ein freier Hofraum von mindestens 5,34 auf 5,34 Metern verbleiben“ (§ 27). „Neue Vordergebäude dürfen überall 11,30 Meter hoch gebaut werden, bei 2,51 Meter im Lichten Mindeststockwerkshöhe also vier Geschosse hoch; an Straßen von 11,50 bis 11,95 Meter Breite ist eine Gebäudehöhe 1 1/4 der Straßenbreite zulässig, also mit fünf Geschossen. Bei noch breiteren Straßen besteht keine Höhenbeschränkung«“(§ 28). (...) Bei den Wohnräumen begnügte sich die Bauordnung mit einer Mindesthöhe von 2,51 Metern im Lichten und der allgemeinen Forderung nach „hinlänglich Luft und Licht“ (§ 87 und 88). Wie diese bei den zulässigen Gebäudehöhen und Innenhofabmessungen erfüllt werden sollte, blieb das Geheimnis der staatlichen Baukontrolleure. Geradezu demaskierend für das Wohnverständnis der Baurechtsschöpfer sind die Auslassungen zu den Kellerwohnungen. Diese durften eingerichtet werden, wenn die Decke wenigstens 94 Zentimeter (3 Fuß) und der Sturz des Fensters 62 Zentimeter (2 Fuß) über dem Niveau der Straße lagen (§ 89)“.´

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W. Kieß: Urbanismus im Industriezeitalter. Berlin 1991, S. 227 f

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