Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Zur Stadterweiterung Richtung Elbe

Egbert Kossak, 1989

 

„Man sollte meinen, dass die Hafenstadt eine höchst fesselnde Aufgabe für Architekten und Städtebauer und ein höchst bedeutendes Thema der Stadtforschung war und ist. Doch dies ist nicht der Fall. Hafenstadt war niemals eine Aufgabe großer städtebaulicher Planung. Hafenarchitektur hat weder die großen und berühmten noch die weniger berühmten Architekten des letzten Jahrhunderts, vor allem nicht unserer Zeit, besonders gefesselt.

Das mag seine Ursachen darin haben, dass Hafenbau und Hafenplanung, besonders im 19. und 20. Jahrhundert, stets anderen technischen Regeln, ökonomischen Einflüssen und administrativer Verantwortung unterlagen als der Städtebau und die Entwicklung der Stadt. Es mag daran liegen, dass Architekten zu großen Bauaufgaben im Hafen sehr selten Zugang gefunden haben. Erst heute, nach dem Niedergang der stadtnahen Hafengebiete in fast allen großen Hafenstädten und dem damit verbundenen Brachfallen der Hafenflächen an den Ufern der Flüsse und Buchten, wird die Faszination der stadträumlichen Verbindung von Stadt und Hafen erkannt. Die Neuordnung des Hafenrandes oder die Neugestaltung des Stadtrandes am Hafen, damit die Stadterweiterung in den Hafen hinein, ist zu einer neuen, vielerorts zu einer entwicklungspolitisch besonders wichtigen Aufgabe geworden.

Dies ist auch in Hamburg so. Hamburg ist durch und mit seinem Hafen groß geworden. Mit dem Hafen verbindet sich noch heute das Ansehen der Stadt, im bildhaften wie im übertragenen Sinne, für Menschen, die in Aschaffenburg oder in Wien, in Rio oder London über Hamburg sprechen. Die städtebaulichen Entwicklungsmodelle der Stadt haben seit den 20er Jahren nie auf diese besondere Einheit von Stadt und Hafen Rücksicht genommen."

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Egbert Kossak: Hamburg - Hafenstadt mit Zukunft - eine Utopie? Der Architekt 3/89, S. 137

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