Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Über die Gründe für den Sieg der Germanen

„Die entscheidende Frage lautet: Wie konnte es ca. 6000 germanischen Bauern-Kämpfern gelingen, kampferprobte römische Eliteeinheiten, die zudem noch in vierfacher Überzahl waren, zu besiegen?

Die Antwort darauf gaben noch hunderte Jahre danach die eigenen römischen Historiker: Für die einen war der Statthalter Varus schuld, wieder andere sahen die Ursachen in den ungünstigen äußeren Bedingungen (riesige Bäume, schreckliches Wetter, hünenhafte Germanen, usw. (alles nachzulesen in der Publikation).

Dies ist auch heute noch gültige Praxis: indem man den Gegner überhöht darstellt (wie die Engländer die Deutschen nach dem II. Weltkrieg, die Amerikaner im Golfkrieg (1991) Saddam Hussein und seine bedrohlichen Waffen). Der Feind war halt übermächtig, und wenn man gesiegt hatte, dann war das ein außerordentlicher Erfolg, und wenn man besiegt worden war, dann war die Niederlage entschuldbar.

Keiner der antiken Autoren nennt Einzelheiten, wie der Überfall sich abgespielt haben könnte, das Ende (am dritten Schlachtentag) wird relativ detailliert beschrieben, aber wie steht es mit dem ersten Tag, den ersten Minuten des Überfalles?

Hier könnten die Funde in Kalkriese weiterhelfen:
Bis heute sind ca. 1250 Münzen und 2000 militärische Überreste gefunden worden, die alle ausschließlich römischer Herkunft sind, wobei man das meiste „Metall" - mit Ausnahme der Münzen - unter der eingestürzten Grassodenmauer/Wall fand, die somit alles vor Plünderungen schützte.

Bevor wir den entscheidenden Rückschluss ziehen, zunächst eine kleine Rückblende in das Jahr 6 n. Chr.:

Im Jahre 6 n. Chr. und den weiteren Jahren bis zur Varusschlacht hatte Rom eine ernsthafte Krise zu bewältigen, in deren Verlauf es bis zu 2/3 aller verfügbaren Legionen einsetzten musste, um in dem sog. „Batonischen Krieg" - besser vielleicht bekannt unter dem Namen „Pannonischer Aufstand im Illyricum" (heutiger Balkan) die Erhebung gegen Rom erfolgreich niederzuschlagen.

Unter dem Kommando des Tiberius wurden auch Hilfstruppen eingesetzt, auch germanische Hilfstruppen, deren kommandierender Offizier ein germanischer Fürstensohn namens Arminius war. Er war inzwischen sogar zum Ritter ernannt worden und diente mit tausenden von Germanen im römischen Heer, allesamt kampferprobt, viele der römischen Sprache mächtig, und vertraut mit der römischen Kriegskunst.

Genau dieses Problem hatten die Römer mit den aufständischen Pannoniern, die vormals Teil der römischen Armee waren. Nur war die Bedrohung ungleich stärker, denn nach Rom waren es nur ein Dutzend Tagesmärsche. Sogar die rheinischen Truppen wurden in Marsch gesetzt, teilweise war also die Rheingrenze entblößt. Eigentlich eine wunderbare Gelegenheit für die Germanen, einen Aufstand gegen die wenigen verbliebenen Truppen der Römer zu wagen. Aber nein, man wartete schön brav ab, bis die Pannonier besiegt waren und die siegreichen Legionen nach Germanien zurückkehrten.

Jetzt sollte sich die Falle für die Römer schließen:

Der Verrat und die Falle
Zur Erinnerung: Auf dem Schlachtfeld hat man ausschließlich römische Funde gemacht, tausende, aber nicht ein Fitzelchen, geschweige denn irgendein brauchbarer Fund germanischen Ursprunges, wie z.B. eine germanische Fibel Kleiderspange), Teile von germanischen Waffen, oder gar Teile von zivilen Ausrüstungsgegenständen! Unter der eingestürzten Mauer hätte man wenigstens etwas finden müssen, aber Fehlanzeige: In Kalkriese haben gar nicht germanische Bauern-Krieger gegen römische Legionäre gekämpft, sondern Germanen in römischen Uniformen gegen römische Legionäre in römischen Uniformen.

Und hierin liegt auch der Grund für das Überraschungsmoment. Die Verschwörer unter Arminius hatten sich genau vorbereitet. Ihr zusätzliches Problem bestand darin, dass nicht alle Germanen auf Ihrer Seite standen. Sogar Arminius Bruder Flavus stand fest zu den Römern. Aber gerade in diesem Umstand lag auch ein Vorteil. Die angegriffenen Römer konnten nämlich nicht unterscheiden, ob da ein Verräter oder ein Getreuer auf sie zukam.

Man stelle sich das Überraschungsmoment vor. Morgens, am ersten Schlachtentag, gehen germanische Aufständische in römischer Uniform auf die ahnungslosen Offiziere der einzelnen Legionen los und bringen diese im Handstreich um, Panik und Entsetzen bricht aus... die Verwirrung ist grenzenlos, weil z.T. der Offiziere beraubt,

keiner der römischen Legionäre in dem Chaos die Lage überblicken kann. Und immer wieder die gleiche Situation: Ist der Germane in römischer Uniform, mit dem man vielleicht Abende vorher noch gemeinsam am Lagerfeuer saß, nun Freund oder Feind? Die Verschwörer mögen sich untereinander verständigt haben können, unter Umständen haben sich auch etliche Germanen erst viel später zu den Aufständischen dazugesellt, auf jeden Fall war die militärische Lage aus Sicht der Römer verworren.

Jetzt konnte der zweite Teil der Falle zuschnappen:

Der Bereich zwischen Moor und Kalkrieser Berg (z.T. damals nur 60 m breit) war ein Engpass, der das Chaos noch vergrößern sollte. Keinesfalls stürmten bärtige, rothaarige wilde Germanen von den Hängen herab und stürzten sich todesmutig auf die Römer. Die Funde belegen, dass auch hier Germanen in römischer Uniform kämpften, und auch am dritten Tag mag die Taktik zur Anwendung gekommen sein, dass ein römischer Legionär nicht sicher sein konnte, wen er da vor sich hatte: Einen Germanen in römischer Uniform, der aber Rom treu ergeben war (Flavus z.B. - Bruder des Arminius) oder einen Germanen in römischer Uniform, der zu den Aufständischen gehörte. Äußerlich jedenfalls konnte er sie nicht unterscheiden, er erkannte nur, dass ein Germane vor ihm stand.

Nochmals.... Tausende von Funden auf dem Schlachtfeld.... aber nur ein einziger Fund, der den Germanen zuzuordnen ist. Sollten die Germanen vielleicht nackt gekämpft haben?? Rätsel gelöst???!!!“

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Ralf-Rainer Sass in: http://www.varusschlacht.de/index.htm

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