Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Museumslandschaft Kalkriese - Ort der Hermannschlacht?

Die Ereignisse, die sich in den Jahren 12 v. Chr. bis 16. n. Chr. und besonders im Jahre 9. n. Chr. im Inneren Germaniens abspielten, sind uns nur durch diverse römische Schriftsteller in unterschiedlich exakter Form überliefert, eine Schilderung aus germanischer oder neutraler Sicht fehlt. Die Auswertung der schriftlichen und archäologischen Quellen ergibt in groben Zügen folgenden Verlauf der Ereignisse:

Die Vorgeschichte
In den 50er Jahren des 1. Jahrhunderts v. Chr. hatte Caius lulius Caesar die gallischen Gebiete bis zum Rhein erobert. Dieser bildete seither die Grenze des Römischen Reichs gegen die Germanen. Die römischen Besatzungstruppen waren im Inneren Galliens stationiert, die Rheingrenze daher weitgehend ungeschützt. Ein gut ausgebautes Straßensystem erlaubte es den Römern jedoch, jeden Punkt der Grenze relativ schnell zu erreichen. Dies nutzten die jenseits siedelnden Germanenstämme immer wieder zu plötzlichen Überfällen in das sich wirtschaftlich entwickelnde gallische Gebiet aus. Nachdem sie im Jahre 16 v. Chr. auch noch die 5. Legion unter dem Statthalter Marcus Lollius geschlagen hatten, sah sich der Kaiser Augustus genötigt, die Rheingrenze durch Militärstationen zu befestigen. Ab 12 v. Chr. drangen dann römische Truppen unter Führung des Drusus ins rechtsrheinische Germanien bis zur Elbe vor, um den Druck auf die Grenze am Ursprungsort zu verringern und eine Pufferzone entlang des Rheins zu schaffen. Im Spätsommer des Jahres 11 v. Chr. wurden die ersten Lager in Germanien errichtet, eines in Bergkamen-Oberaden an der Lippe und eines in Rödgen in der Wetterau. Nach dem Tod des Drusus, der an den Folgen eines Sturzes vom Pferd starb, übernahm sein Bruder Tiberius das Kommando und führte die Kampagne zu Ende. Offensichtlich hatte man im Jahre 8/7 v. Chr. eine gewisse Stabilität erreicht, denn die Römer zogen sich wieder über den Rhein zurück. In den folgenden Jahren gab es diverse Kriegszüge von römischen Truppen unter Führung des Lucius Domitius Ahenobarbus, insgesamt scheint die Lage aber ruhig gewesen zu sein. Aus nicht bekannten Gründen brach im Jahre 1 n. Chr. in Germanien ein Aufstand aus, der zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen führte. Die römischen Truppen standen erst unter Führung des Marcus Vinicius, ab 4 n. Chr. unter der des Tiberius, der innerhalb von 2 Jahren wieder für Ruhe sorgte. In diesen Jahren wurden auch die meisten Militärlager an der Lippe und in der Wetterau errichtet. Einen Feldzug gegen die Markomannen, die etwa im westlichen Böhmen siedelten, musste Tiberius abbrechen, da in Pannonien (Österreich/Ungarn/Slowenien) ein Aufstand ausgebrochen war. Die Verwaltung Germaniens übernahm 5 n. Chr. Caius Sentius Saturninus, der sie 7 n. Chr. an Publius Quinctillius Varus übergab. Aus Bemerkungen in römischen Schriftquellen kann man schließen, dass zwischen der Einschätzung der Lage in Rom und der Wirklichkeit in Germanien ein Lücke klaffte. Während man in Rom der Meinung war, Germanien sei vollständig unterworfen, beschränkte sich der römische Einfluss tatsächlich nur auf die aktuell eroberten Gebiete. Weite Teile des Landes, in die nie römische Truppen gekommen waren, besaßen noch ihre Freiheit.

Die historischen Ereignisse um das Jahr 9 n. Chr.
Varus hatte im Jahre 9 n. Chr., wie in den vorhergehenden Jahren, in Germanien die Vorbereitung für die Überführung des Landes in eine römische Provinz vorangetrieben. Seine wichtigsten Aufgaben waren das Schlichten innergermanischer Streitigkeiten und die Einführung des römischen Rechts- und Tributsystems. Dies tat er wohl teilweise mit wenig Feingefühl und Rücksicht auf germanische Traditionen. In seiner Begleitung befand sich unter anderen germanischen Adeligen auch der Cheruskerfürst Arminius. Wie üblich, war Varus im Spätsommer mit seinem gesamten Heer und Gefolge auf dem Rückweg in die Winterquartiere an der Lippe oder am Rhein, im Inneren des Landes verblieben nur kleinere Einheiten mit Überwachungsaufgaben. Im Gebiet der Cherusker nahe der Weser erreichte ihn die Nachricht über einen Aufstand in einer Gegend, die durch seinen Weg eigentlich nicht berührt worden wäre. Er beschloss, einen Umweg zu machen, um diese - vorgetäuschte - Revolte niederzuschlagen.

Die Germanen lockten ihn in ein unwegsames Gebiet, das in den Schriftquellen saltus teutoburgiensis (= Teutoburger Wald) genannt wird und das den Römern offenbar unbekannt war. Seine Lage ist nur indirekt bei Tacitus beschrieben, wo es heißt, dass der Teutoburger Wald nicht weit vom Gebiet der Brukterer liegt, die zwischen Lippe und Ems siedelten. Auf dem Weg zu der vermeintlichen Revolte wurden die Römer von heimlich zusammengerufenen Kriegern der Cherusker, Brukterer, Marser und Chatten(?) unter Führung des Arminius angegriffen, der sich kurz vorher vom römischen Heer abgesetzt hatte. In einer für das römische Militär ungünstigen topographischen Situation mussten die Soldaten nicht nur gegen die germanischen Krieger, sondern auch gegen abtrünnige germanische Hilfstruppen im eigenen Heer kämpfen. Zudem soll das Wetter sehr schlecht gewesen sein. Im Verlauf einer sich über mehrere Tage hinziehenden Schlacht verschanzten sich die Römer in der ersten Nacht noch in einem Lager, in der zweiten Nacht gelang dies nur noch ansatzweise. Endlich wurde das römische Heer weitgehend aufgerieben, nur wenigen gelang die Flucht, einige gerieten in Gefangenschaft. Varus stürzte sich angesichts der ausweglosen Situation in sein Schwert. Die Germanen töteten auf - aus römischer Sicht - äußerst barbarische Weise die gefangenen Offiziere, dem Varus schnitten sie den Kopf ab. Diesen schickte Arminius an den Markomannenkönig Marbod, um ihn in die antirömische Koalition zu ziehen. Da die Markomannen nach längeren Auseinandersetzungen mit den Römern mittlerweile um einen Ausgleich bemüht waren, schickten sie das Haupt weiter nach Rom, wo es bestattet wurde. Kaiser Augustus soll äußerst verzweifelt über die Niederlage gewesen sein. Die Nummern der untergegangenen Legionen, 17-18-19, wurden nie wieder vergeben.

Erst einige Jahre später, nachdem die Rheingrenze durch neue Truppen und Befestigungen gesichert war, führte Germanicus zwischen 14 und 16 n. Chr. erneut römische Truppen nach Germanien, um die erlittene Schmach wieder gut zu machen. Sein Heer hatte mit sechs Legionen die doppelte Stärke der Varus-Armee. Im Jahre 15 n. Chr. suchte er auch den Ort der Varusschlacht auf und ließ die sterblichen Überreste der gefallenen Römer bestatten. Seine neuerlichen Eroberungszüge führten jedoch zu keinem durchschlagenden Erfolg. Er zeigte sich der Taktik seines Gegenspielers Arminius nicht gewachsen und geriet mindestens einmal in eine prekäre Situation, die beinahe wie die Varusschlacht geendet hätte und der er nur unter schweren Verlusten entkam. Da kurzfristig nicht mit dem Ende der Kämpfe zu rechnen war und die Kosten für die römische Staatskasse enorm waren, berief der neue Kaiser Tiberius 16. n. Chr. den Germanicus ab, beendete die Germanienkriege und beschränkte sich auf die Sicherung der Rheingrenze. Seine Devise, die Germanen ihren inneren Streitigkeiten zu überlassen, bewährte sich bald. Die antirömische Koalition zerbrach nach dem Abzug der Gegner schnell und Arminius fiel 21 n. Chr. einem Mordkomplott zum Opfer.

Woher wissen wir von der Varusschlacht?
Die Varusschlacht wurde von zahlreichen Autoren beschrieben, allerdings war keiner vor Ort, als Arminius die Legionen vernichtend schlug. Velleius war zwar ein Zeitzeuge, kam aber erst Jahre nach der römischen Niederlage nach Germanien. Publius Cornelius Tacitus wurde etwa 46 Jahre nach dem Tod des Varus geboren. Auch Lucius Annaeus Florus kannte die Ereignisse im Teutoburger Wald nur vom Hörensagen. Sueton, der den Ausspruch des Augustus überliefert: "Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder", kam erst ca. 70 n. Chr. zur Welt. Und der griechische Geschichtsschreiber Cassius Dio Cocceianus wurde erst um 155 n. Chr. geboren.

Alle Autoren schreiben aus der Sichtweise der Römer. Zweifel an der Objektivität sind daher angebracht. Florus beispielsweise schildert Varus als hochmütig und gierig, seine Rechtsprechung sei "grausamer als Waffen" gewesen. Mit dieser Beurteilung traf der Autor wahrscheinlich den Zeitgeist ein Jahrhundert nach der Niederlage: Varus war mittlerweile zur Unperson erklärt worden, in seiner Unfähigkeit sah man die Ursache des Desasters im Teutoburger Wald.

Der ausführlichste und zuverlässigste Schlachtbericht stammt von Cassius Dio. Er hat zehn Jahre lang Material gesammelt, bevor er seine "römische Geschichte" schrieb. Diese Schilderungen werden daher als Hauptquelle zur Rekonstruierung der Varusschlacht herangezogen und durch Details aus anderen Berichten ergänzt. Obwohl das Zusammenfügen verschiedener Quellen unvermeidlich ist, um ein Gesamtbild zu erstellen, stößt man hier auf Schwierigkeiten: Wie lässt sich heute feststellen, wie glaubwürdig die einzelnen Autoren sind? Selbst unter Experten ist umstritten, ob Arminius wirklich in Rom aufgewachsen ist. Ungeklärt ist auch, ob die Leichenschändung der Germanen, von der nur Florus berichtet, den Tatsachen entspricht.

Verwirrend sind weiterhin die Schilderungen des Tacitus: In den "Annalen" schreibt er von Galgen für die Gefangenen, in seiner "Germania" berichtet er dann, dass nur Priester Todesurteile vollstreckten. Skepsis ist sogar geboten, wenn sich alle Autoren einig sind: Die "undurchdringlichen Wälder" werden in sämtlichen Berichten erwähnt. Sie sind allerdings nicht unbedingt ein geografisches Faktum, sondern eine Wiederholung der römischen Klischeevorstellungen von wildem, kaum erschlossenem Feindesland.

Die Beschreibungen von Sümpfen und schwer zu durchdringenden sumpfigen Wäldern werden der dramatischen Wirkung wegen eingebracht", meint der Historiker Horst Callies. In die Rubrik Klischee fallen aller Wahrscheinlichkeit nach auch die immer wieder zitierten "Baumriesen" und die "wilden" Germanen, die Velleius Paterculus als "verschlagen, ein Volk von geborenen Lügnern" beschreibt.

Heute vermuten die Forscher, dass diese Klischees vermeidbar gewesen wären. Das römische Militär hatte durchaus genaue Informationen über Land und Leute. Diese wurden aber dem breiten Publikum nicht zugänglich gemacht - vermutlich, weil es niemanden interessierte. Das Desinteresse des Durchschnittsrömers ist wahrscheinlich auch der Grund für die oft recht vagen Ortsangaben. In keinem Bericht findet man genaue Informationen über die Marschroute der Varus-Legionen. Der schicksalsträchtige "saltus Teutoburgiensis" war daher wahrscheinlich nicht der heutige Teutoburger Wald, sondern die Umschreibung einer Waldregion, die sich von der Ems bis an die Weser erstreckte.“

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Joachim Harnecker: Arminius, Varus und das Schlachtfeld von Kalkriese, Rasch Verlag Bramsche
(http://pages.imperium-romanum.info/wiki/index.php/Varusschlacht)

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