Architektur macht Schule
Über den Wiederaufbau des Reichstags
Paul Baumgarten
"Zunächst: Ich habe den Reichstag nicht wieder aufgebaut. So wie er heute dasteht, ist er eine Karikatur seiner selbst, ist er das Werk der Bundesbaudirektion. Einer seiner Präsidenten legt auch, wohl ohne zu wissen, was er sich damit antut, immer größten Wert darauf, bei Veröffentlichungen hinzuweisen: Gesamtleitung Bundesbaudirektion. Diese Feststellung ist gar nicht nötig, man sieht es auch so.
Der Wiederaufbau begann damit, dass man zunächst abbaute. Nicht nur die Kuppel (zum Glück aus Sicherheitsgründen), sondern auch mit einer konsequent durchgeführten Bereinigung der Fassade. So wurden die Figuren, die auf den Ecktürmen standen, nicht wieder aufgestellt, obwohl sie im Kriege vor dem Umbau des Reichstagsgebäudes zum Flakturm wohlbehalten abgenommen und eingelagert worden waren. Beschädigte ornamentale und figürliche Teile der Fassade wurden nicht etwa ausgebessert, sondern der Einfachheit halber einfach beseitigt und der Ordnung halber auch gleich die unbeschädigten Teile. Das Beste des Reichstages wurde gerupft.“
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Paul Baumgarten, Notizen. In: Schriftenreihe der Akademie der Künste (Hrsg.): Paul Baumgarten Bauten und Projekte 1924 - 1981. Berlin 1988, S. 219 f
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