Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Der Architekturkritiker G. Kühne zu Baumgartens Arbeit

Günther Kühne, 1975

 

"Der Wiederaufbau des Reichstagsgebäudes in Berlin hat mindestens ebenso im Kreuzfeuer der Kritik gestanden wie der Bau selbst. (...)

Wollte schon Martin Wagner (damaliger Stadtbaurat von Berlin; Anm. d. Verf.) 1929 - als ein Wettbewerb Pläne für die Erweiterung, insbesondere der Abgeordnetenräume, schaffen sollte - den Bau lieber abreißen und durch ein zeitgemäßes Werk ersetzen, so gab es nach 1945 viele Stimmen gegen eine Wiederherstellung: sie sahen in den Resten des wilhelminischen Baues weniger ein Symbol der Demokratie als das der Herrschaft des "Eisernen Kanzlers". Doch die Kräfte, denen - quer durch die Parteien: von Ernst Reuter bis Eugen Gerstenmaier (damalige Abgeordnete; Anm. d. Verf.) - dieser Bau demokratische Traditionen zu verkörpern schien, setzten sich durch; der Reichstag wurde nach Plänen Paul Baumgartens wieder aufgebaut. In veränderter Form, gewiss: So wurde auf die Wiederherstellung der Kuppel verzichtet, Plenarsaal, Wandelgänge und Sitzungsräume erhielten ein völlig neues Aussehen. Die behutsame Hand Baumgartens wird durch die Maßstäblichkeit seiner Einbauten spürbar, die in krassem Gegensatz stehen zur Maßstablosigkeit Paul Wallots, der sich (...) von den Reizen des Fassadenzeichnens vergewaltigen ließ.

Die Frage nach der Funktion dieses Gehäuses ist gegenstandslos. Die Säle werden für Sitzungen mancherlei Art genutzt, in den Wandel- und Foyerräumen ist eine weit ausholende Ausstellung "Fragen an die deutsche Geschichte" zu sehen.“

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Günther Kühne; Wiederaufbau des Reichstagsgebäudes in Berlin; in: Bauwelt 29-30/1975, S. 848

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