Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Die Preisgerichtsentscheidung zum Olympiapark

Paulhans Peters, 1967

 

"Das Wettbewerbsergebnis, so wie es auf der Pressekonferenz am 13.10.1967 bekannt gemacht wurde, kann außer die Preisträger und Juroren nur wenige mit Freude erfüllen, weil keine Arbeit vollständig war. weil die Verquickung von Ideen- und Bauwettbewerb wieder einmal alle überfordert hatte.

Behnischs Montreal-II-Zelt (mit „Montreal II“ ist gemeint, dass es nur den Vorgängerbau des deutschen EXPO-Pavillons dort gab; Anm. d. Verf.) ist eine Modell-ldee. Realiter wird die Eleganz hinter Konstruktionen verschwinden - ebenso wie beim Montreal-Zelt. Das raue Münchener Wetter wird dieser eleganten Konstruktion das Leben schwer machen, elegant zu wirken und noch im Bereich der beiden Hallen dicht an den Anschlüssen und wärmedämmend zu sein.

Deshalb hatte das Preisgericht Angst und empfahl, auf einstimmigen Beschluss, ‚dass anstelle der Zeltdachkonstruktion gegebenenfalls andere Dachkonstruktionen verwendet werden können, ohne dass dadurch die kennzeichnenden Elemente des Entwurfes beeinträchtigt werden’. Wie das ausschaut, kann ich mir schlecht vorstellen.

(...).

(Wenn) das Zelt wirklich nicht gebaut wird, entfällt auch die große, zusammenfassende Figur von Stadion und den beiden Hallen. Übrig bleiben würden drei nebeneinander stehende, heterogene Gebäude in einer isolierten künstlichen Hügellandschaft, die nicht viel mit dem restlichen Gelände zu tun hat, das eben wie ein Brett ist. Trotz der alle anderen Arbeiten überragenden Qualität bleibt die Frage offen, die auch als Wunsch für die weitere Arbeit aufgefasst werden kann: Besitzt Behnischs Entwurf genügend Großzügigkeit, ist er echte Architektur für die große Zahl, vielleicht sogar Architektur als Folge von offenen und geschlossenen Räumen, der Bewegung (nicht im Sinne barockisierender Axialität)? Oder doch malerische Idylle, schön komponiert? Und das In einer Gegend, die von miesen lndustriebauten im Osten und den Gaskesseln im Südwesten verschandelt ist und danach schreit, dass neben dem schlecht proportionierten Fernsehturm ein wirklicher Brennpunkt eine funktionsmäßig bedingte, aber, formal überzeugende große Ordnung geschaffen wird.“

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Paulhans Peters: Olympischer Fehlstart? in: Baumeister 11/67, S. 1370

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