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Wohnkomfort durch Barrierefreiheit
An Haltestellen von Straßen-, S- oder auch U-Bahnen ist zwar selten ein Höhenunterschied zu überwinden, aber oft klafft zwischen Tür und Bahnsteig eine Lücke von 20 und mehr Zentimetern. Hier sind Behinderte vor allem auf die Initiative der öffentlichen Hand angewiesen.
Die eigene Wohnung oder das eigene Haus dagegen kann auf eigene Initiative hin barrierefrei gestaltet werden. Das ist besonders dann nötig, wenn der Wohnungsinhaber Rollstuhlfahrer ist. Architekten sind dabei kompetente Partner, da sie sich mit den Normen und Regeln für barrierefreies Bauen auskennen. Aber auch ohne Handicap sind Sie als Bauherr oder Bauherrin gut beraten, zumindest so flexibel zu bauen, dass Sie später problemlos barrierefrei nachrüsten können. Denn schnell können Unfälle, Krankheit oder auch das Alter Ihre Mobilität zumindest zeitweise einschränken. Und wer mit einem Kinderwagen unterwegs ist, weiß barrierefreie Zugänge ebenfalls zu schätzen.
Beim Neubau von Wohnungen nennt die DIN 18025 genaue Vorgaben für die barrierefreie Gestaltung. Die Norm regelt – je nach Behinderung des Bewohners – Größe und Ausführung von Eingang, Windfang, Wohnraum, Bad und WC. Gerade Rollstuhlfahrer haben dabei sehr spezifische Ansprüche ans Wohnen. Architekten achten bei der Planung darauf, dass der Zugang zum Gebäude direkt vom Stellplatz beziehungsweise von der Garage aus möglich ist und vor der Witterung geschützt liegt. Der Stellplatz sollte dabei auf gleichem Höhenniveau liegen wie der Hauseingang. Haus-, Wohnungs- oder Innentüren sollten keine Schwelle haben, mindestens 90 Zentimetern breit und leicht zu öffnen sein. Bad- und WC-Türen müssen Richtung Flur aufschlagen, der mindestens 1,50 Meter breit sein sollte. Dieses Maß gilt auch für den Wendekreis, den Rollstuhlfahrer in jedem Zimmer benötigen. Daher bezieht der Architekt frühzeitig die künftige Einrichtung in seine Planung mit ein.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Küche: Neben dem ausreichend großer Wendebereich für Rollstühle erleichtern unterfahrbare Spüle und Herd die Arbeit. Ein Berührungsschutz bei sämtlichen Heißwasserleitungen und Heizkörpern verhindert Beinverbrennungen. Backofen und Kühlschrank wiederum sind auf einem Unterschrank besser erreichbar, ebenso wie Schränke mit ausfahrbarem Kasteneinzug an Stelle normaler Unterschränke. Hängeschränke sind dagegen unerreichbar, denn die maximale Greifhöhe von Rollstuhlfahrern liegt bei 1,45 Meter. Die Möblierung in der Küche macht es oft nötig, für Fenster und Rollläden elektrische Antriebe einzubauen.
Die angemessene Konzeption der Sanitärräume spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Die konkreten Bedürfnisse des Nutzers stehen auch hier für den Architekten oder die Architektin an erster Stelle. Je nach individueller Situation muss zusätzlicher Platz für die Pflegeperson eingeplant und die Badewanne in der Höhe angepasst werden. Für den nachträglichen Einbau einer Badewanne sollte genügend Raum gelassen werden, auch wenn zunächst nur eine Dusche gewünscht ist.
Liegen Wohn- und Schlafraum auf unterschiedlichen Geschossen, rät der Architekt in der Regel zu einem Aufzug. Aber auch ein Treppenlift, ein Hubbühne oder eine Treppenraupe sind denkbar. Letztere lässt sich allerdings nur mit Hilfe bedienen. Bei den Fußböden sind pflegeleichte Beläge zu empfehlen, denn Rollstühle bringen viel Schmutz und Nässe in die Wohnung. Hier eignen sich insbesondere Fliesen, PVC oder Kork. Erfahrene Architekten achten auch darauf, dass Lichtschalter, Türklinken und Rolladen-Gurtwickler 85 Zentimeter über Fußboden liegen. Diese Höhe ist für Rollstuhlfahrer optimal. Auch empfiehlt sich dringend eine Haussprechanlage. Tiefer gelegte Fensterbrüstungen erhöhen den Wohnkomfort: Sie ermöglichen Rollstuhlfahrern einen ungehinderten Ausblick.
Mit Kreativität und Kompetenz bewegen sich Architekten im engen Korsett der vorgeschriebenen Normen. Sie berücksichtigen die individuellen Bedürfnisse der Nutzer und sorgen für eine entsprechende barrierefreie Gestaltung des Wohnumfeldes. Gemeinsam entscheiden Bauherr und Architekt, mit welchen baulichen Maßnahmen und welchem finanziellen Einsatz ein angemessener Lebensraum entstehen kann. Barrierefreies Bauen steht für zeitgemäße Architektur: hoher Wohnkomfort und ansprechende Gestaltung schaffen die Voraussetzung für einen Leben in Würde und größtmöglicher Selbstständigkeit.
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