Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Aktuelles

02.05.2017

Stadtentwicklung durch Migration

So könnte man die Kernthese zusammenfassen, die am 26. April beim Kammerabend für Stadtplaner in Frankfurt diskutiert wurde.

Fotos: Nils A. Petersen


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Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen hatte zu dieser Veranstaltung in das Deutsche Architekturmuseum DAM eingeladen, bei der die aktuelle Ausstellung "Making Heimat. Germany Arrival Country" präsentiert und in einen erweiterten Kontext gestellt wurde, der Städte als räumliche Produkte von Migrationsprozessen definiert.

Bereits vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung nahmen zahlreiche Interessierte an einer Führung durch die Ausstellung mit dem freien Kurator Yorck Förster teil. Die Ausstellung – ursprünglich vom DAM konzipiert für den deutschen Pavillon der 15. Architekturbiennale in Venedig 2016 – nimmt Bezug auf die Öffnung der deutschen Grenzen für rund eine Million Flüchtlinge in 2015. Förster erläuterte das der Ausstellung zugrunde liegende Konzept und sparte auch die denkmalschutzrechtlichen Hürden bei dessen Umsetzung in Venedig nicht aus. In Frankfurt wurde die Ausstellung erweitert um das maßstäbliche Modell eines Offenbacher Viertels, anhand dessen Förster die Einordnung Offenbachs als „Arrival City“ verdeutlichte.

Im Auditorium des DAM begrüßte die Stadtplanerin Annelie Bopp-Simon vom Vorstand der AKH die Teilnehmer, unter denen auch der Berufsnachwuchs stark vertreten war. Sie moderierte im weiteren Verlauf die Veranstaltung. Gertrudis Peters, Architektin und seit Februar 2016 Geschäftsführerin der AKH, verortete die Stadtplaner als zwar zahlenmäßig kleine, aber gerade im Hinblick auf die rasant zunehmende Verstädterung und die damit einhergehenden Anforderungen im Hinblick auf Wohnraumbereitstellung, Nutzungsmischung, Integration und Quartiersentwicklung enorm wichtige Berufsgruppe.

"The arrival city is a city within a city", "The arrival city is informal", "The arrival city is self-built" – dies sind einige der Thesen aus der Ausstellung "Making Heimat. Germany Arrival Country". Die Architektin und Kuratorin der Ausstellung Anna Scheuermann machte am Beispiel Offenbachs ("Offenbach is almost all right") deutlich, dass der Begriff Arrival City sich auf Stadtviertel, nicht auf ganze Städte bezieht. Auf dieser lokalen Ebene müssten konkrete Lösungen für Wohnraumbereitstellung, Nutzungsmischung, Integration und Quartiersentwicklung gefunden werden.

Prof. Stefan Rettich vom Fachgebiet Städtebau der Universität Kassel ging noch einen Schritt weiter: Er zeichnete die historische Entwicklung des Lebensraums Stadt als Produkt von Migrationsprozessen nach, induziert durch zunächst agrartechnische und später technologische Umwälzungen. "Stadt" entwickelte sich als Sammelbecken für diejenigen, die nicht mehr unmittelbar in der Produktion gebraucht wurden und sich daher dem Handel zuwandten. Daraus leitete er die Gleichung "Händler sind Fremde, Fremde werden Händler" ab und forderte die Kommunen auf, zur schnelleren Integration der Zuwanderer starre Regelungen zu lockern und informelle Handels- und Erwerbsaktivitäten zu tolerieren: Wenn durch die zunehmende Gentrifizierung die ehemals als Arrival City fungierenden, innenstadtnahen Gründerzeitviertel diese Funktion nicht mehr erfüllen können, kommen ggfs. Großwohnanlagen als Ersatz in Frage, solange der Erdgeschossbereich wiederum für Handel, Wandel und öffentliche, auch informelle Aktivitäten zur Verfügung steht: "Integration findet im Erdgeschoss statt", so Prof. Rettich.

Die Rolle der Kommunen stand auch im Mittelpunkt der an die Vorträge anschließenden Diskussionen, die im weiteren Verlauf bei einem Imbiss noch bis weit in die Abendstunden fortgesetzt wurden.



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